Keine Chance

Ja, eigentlich ist Pause, wegen zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Aber das hier muss ich los werden. Nicht aus Senstionslust oder Langeweile, sondern weil Erzählen nun mal mein Mittel ist, meine Seele im Gleichgewicht zu halten.

Karina und ich waren heute wieder zusammen mit dem Rennrad unterwegs. Hatten wir in den letzten Wochen den Hunsrück erobert, so wollten wir heute mal die Eifel in Angriff nehmen. Eine schöne 100 km Runde mit einigen schönen Bergen sollte es werden. Das Wetter perfekt, die Beine gut, die Laune hervorragend. Bis wir uns auf der Abfahrt von Schleidweiler nach Daufenbach inmitten eines so eben passierten schweren Unfalls wieder fanden.
Auf einer wirklich sehr sehr schmalen und kurvigen Straße hatte ein Motorrad einen Kleinbus/Lieferwagen überholt und war dabei mit einem von oben kommendem Radfahrer zusammen gestoßen. Der Radfahrer lag leblos und seltsam verdreht im Straßengraben und Karina startete ohne Zögern mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Hilfe bekam sie von einem weiteren beherztem Anwesenden.

Ich vergewisserte mich ob irgendjemand von den anderen Anwesenden schon den Rettungsdienst gerufen hatte. Dann lehnte ich mich mit zittrigen Knien an die Leitplanke und betrachtete das Chaos. Überall lagen Teile des Rennradrahmens auf der Straße. Karinas Rad stand auch irgendwo rum und meines lag irgendwo. Ich hatte das Bedürfnis aufzuräumen. Ich wollte Ordnung machen. Ich stellte Karinas Rad ordentlich an der Seite ab und meines daneben. Dann hob ich ein kleines Stück eines Rennradrahmens auf, aber da wurde mir bewusst wie blöd das war. Vielleicht wollte später jemand Beweisfotos machen und so Zeugs und ich legte das Teil wieder ab. Ich kam mir ziemlich nutzlos vor, keine Chance, das Chaos zu ordnen. Keine Chance wieder gerade zubiegen was da schief gegangen war. Immer wieder schaute ich zu der Wiederbelebungsszenerie rüber. Karina und der andere Helfer wirkten so zielstrebig und konzentriert. Der Radfahrer so leblos.
Eine Zuschauerin kam zu mir und fragte mich ob ich den Mann kenne. Ob er zu uns gehöre. Ich schüttelte nur den Kopf und musste mit den Tränen kämpfen. Ich griff zum Handy und rief Andi an. Ich wollte weg aus diesem Alptraum und ich wollte Andis Stimme hören, um zu wissen, das seine Radtour einen glücklichen Verlauf genommen hatte, wollte das er uns abholt, wollte einfach nur weit weg.
Irgendwann kamen die Rettungstrupps. Feuerwehr und Krankenwagen, Rettungshubschrauber, Polizei. Und Karina wurde abgelöst und obwohl sie einen völlig abgeklärten Eindruck machte, sah man doch am Zittern ihrer Arme, das sie völlig am Ende war. Später fragte ich sie noch, ob sie sowas schon mal gemacht hatte. Nein, hatte sie nicht. Nur an diesen Plastikmodellen.

Die Polizei nahm Daten auf und stellte Fragen. Irgendwann entließen sie uns. Wir konnten nicht auf Andi warten, wir mussten noch ca. 10 km fahren weil die Straße nach Kordel für Autos gesperrt war. Also mussten wir aufs Rad. Als wir die Unfallstelle verließen, versuchten die Rettungssanitäter und Ärzte vor Ort immer noch den Radfahrer zurück ins Leben zu holen.
Wir fuhren extrem verhalten und ohne Worte. Ich fuhr einfach nur hinter Karina her. An die Fahrt bis zu Andi habe ich nur eine Erinnerung: Beim Schieben unserer Räder über die Baustelle fiel mir auf, das wir im Gleichschritt gingen. Man hörte nur ein Paar Rennradschuhe auf dem Weg. Seltsam, welche Dinge unser Kopf uns wahrnehmen läßt in besonderen Situtionen.

Der Radfahrer hat es nicht geschafft. Er hatte keine Chance. Er hat nichts falsch gemacht. Er war da, wo er hätte nicht sein dürfen zu diesem Zeitpunkt. Karinas und des anderen Helfers Einsatz waren heldenhaft, aber leider vergeblich. Diese Gefahr besteht immer wenn man Verantwortung übernimmt.
Die Polizei hat sich mehrmals und ausdrücklich bei Karina bedankt, was erahnen läßt, wie wenig selbstverständlich sowas ist.
Und irgendjemand trauert jetzt um den Sohn, Vater, Mann, Freund, Bruder, der nicht mehr zurück kommt.
Mir bleibt nur die Dankbarkeit für jeden Tag, wo wir heile von unseren Abenteuern nach Hause kommen und die Chance haben, uns über viel Arbeit und wenig Zeit zu beklagen.

Dem habe ich fast nichts hinzuzufügen. Ausser: Als wir an die Stelle kamen, standen mehrere Leute neben dem Radfahrer. Also sah ich nach dem Motorradfahrer. Seine Frau war beim ihm. Er konnte reden und hatte „nur“ Schmerzen. Es vergingen so etwa 2 Minuten. Als ich mich umdrehte sah ich den Radfahrer im Graben liegen und die Leute irgendwo rumstehen. Einer fragte noch, ob man nicht mal nach dem Radfahrer sehen könnte. HALLO?! Inzwischen waren sicher 5 Minuten vergangen und es waren jede Menge Leute vor Ort! Als Helge fragte, ob jemand die Rettung gerufen hätte, kam als Antwort: „Das habe ich versucht, aber hier ist kein Empfang!!!“ HALLO Nr.2!!! Kann man nicht mal seinen Hintern den Berg raufbewegen!!! Als ich zu dem Radfahrer kam. sah ich schon, dass es nicht gut aussah. Aber wie kann man denn einfach nur so da rum stehen? Gott sei Dank kam mir dann ein Mann zu Hilfe und eine Augenzeugin, die noch total unter Schock stand hat uns noch unterstützt. Die Krönung war aber ein Rollerfahrer, der seelenruhig an uns vorbei fuhr, um ja alles genau zu sehen. Den hätte ich am liebsten vom Roller geschubst. Als nach einer gefühlten Ewigkeit Feuerwehr und Notarzt eintrafen, wollte ich mir einfach nur noch setzen und eigentlich auch gar nicht mehr aufs Rad. Ich musste die ganze Zeit daran denken, dass irgendwo eine Familie zu Hause sitzt und auf den Radfahrer wartet. So wie unsere Männer auch immer, wenn wir unterwegs sind.

Pause

Hallo zusammen,

in ein paar Wochen steht unser Urlaub an. Aber irgendwie fängt der alljährliche berufliche Stress diesmal schon lange lange vorher an. Anscheinend denken alle, nach dem Urlaub sind wir nicht mehr da oder so. Natürlich versuchen wie so gut es geht weiter zu trainieren. Dem Blog gönnen wir allerdings jetzt schon mal Urlaub. Dafür werden wir danach ganz viel zu berichten haben.

Liebe Grüße und bis bald

Helge und Karina

Roth 2015

Das letzte Wochenende stand ganz im Zeichen der Erinnerungen.
Es ist tatsächlich schon wieder 1 Jahr her, das wir die Ziellinie in Roth überquert haben.
Ein ganzes Jahr 😯
Verrückt!
Dieses Jahr wollten wir das Spektakel wieder von der anderen Seite aus miterleben. Als Zuschauer und Supporter. Weil DJ Gerd, der letztes Jahr alles gegeben hatte, um uns zu motivieren und anzufeuern, war dieses Jahr an der Reihe mit dem „selber machen“.

Nachdem Andi mich am Samstag Morgen wie ein Irrer die Berge rauf und runter gescheucht hatte (eigentlich wollten wir nur eine gemütliche Runde drehen, aber Andi und ich haben wohl ein unterschiedlich mentales Modell von einer gemütlichen Runde 😕 ), ging es also los in Richtung Roth. Zusammen mit Hans-Jörg, Maria, Frank und Kessie.
Karina vergnügte sich mit Tochter Julia auf einem Sunrise Avenue Konzert und kam Sonntag erst nach.
Ich: „Wie war das Konzert?“.
Karina: „Heiß und Laut!“.
Soviel zum Thema Vergnügen 😀

Das Wetter in Roth war dieses Jahr eigentlich ganz gut. Es war warm, aber nicht brütend heiß. Sonnig mit ein paar Wölkchen und als wir an der Lauftstrecke standen, wehte sogar so etwas wie ein erfrischender Wind.
Für die, die da noch auf der Radstrecke waren war das allerdings dann nicht ganz so berauschend. Radfahren mit Gegenwind ist ja bekanntlich jetzt nicht so der Bringer. Aber, es ist halt immer so wie es ist. Alles was kommt, hat man mitgebucht. Und außerdem: Schlimmer geht immer. 😆

Der Schwimmstart war wieder mal Gänsehaut pur. Diese Menschenmassen am Kanal und die Musik, die Stimmung. Da bleibt selbst mir die Sprache weg. Interessanterweise habe ich das letztes Jahr alles gar nicht mitbekommen. Ich muss fast bewußtlos vor Aufregung gewesen sein, wenn das alles an mir unbemerkt vorbeigerauscht ist :roll:
Nachdem Gerd und Markus gestartet waren, begaben wir uns zum Km 3 auf der Radstrecke. Dort konnten wir alle unsere Starter sehen und wussten somit auch, das niemand ertrunken war 😉 .

Inmitten der grünen Badekappen schwimmen Gerd und Markus.

Inmitten der grünen Badekappen schwimmen Gerd und Markus.

Als der letzte unserer Starter vorbei war und wir ihm alle gute Wünsche mit auf die 180 km gegeben hatten, gings erst mal zum Frühstück. Auch als Supporter muss man essen.
Zurück an der Radstrecke bei Km 85 konnten wir uns davon überzeugen, das immer noch alle dabei waren.

Frank und ich an der Radstrecke. Gerd auf dem Rad

Frank und ich an der Radstrecke. Gerd auf dem Rad

Da wir ziemlich viele Supporter waren und die Jungs und Mädels auf der Strecke doch ziemlich große Abstände hatten, teilten wir uns auf. Es war einfach unmöglich an jedem Punkt alle abzuwarten. Andi und ich fuhren mit dem Auto nach Roth und dann mit dem Fahrrad an die Laufstrecke zu Km 4,5 (was auch gleich Km 22 war).
Ich konnte per Handy online verfolgen, wer wann in die 2. Wechselzone kam und sich auf die Laufstrecke begab. Zuerst kam der ganz schnelle Markus. Er sah echt locker aus. Er hat schon einige Langdistanzen gemacht, aber irgendwie freut er sich immer so schön, da könnte man denken, es wäre die erste. Er brauchte nur 10:10 bis ins Ziel und das war noch nicht mal sein schnellster Ironman 😯
Da bleibt einem doch die Spucke weg.
Als nächstes kam Heike. Auf dem Weg zum 1. Langdistanzfinish sah sie wirklich locker aus. Auch wenn sich das gegen Ende der Laufstrecke nochmal etwas ändern sollte, man sah ihr bereits an, das sie das schaffen würde. Hammer!
DJ Gerd war auch sehr guter Dinge und ihm schwante so langsam, das auch er das Ding erfolgreich nach Hause bringen würde. Dieses langsame Begreifen, das man auf dem Wege war, ein Ironman zu werden, konnte ich ihm nur zu gut nach empfinden.
Wir wechelten irgendwann dann zum nächsten „Point of Support“ und ich radelte dann noch zu Km 27/29 und 33. Ein kurzes Stück lief ich mit Gerd mit. Frank und Volker liefen ebenfalls ein Stück mit Gerd mit. Er war jetzt langsam bei den wirklich schweren Km angelangt. Als er bei Km 35 vorbei war, machten wir uns auf den Weg zum Ziel.

Als wir im Zielstadion standen und auf Gerd warteten, kam wieder diese Gänsehaut. Es ist einfach unglaublich die Leute zu beobachten, die dort einlaufen. Leute, die es geschafft haben.
Nachdem Gerd SEINEN Moment im Zielkanal hatte (Yippey, Gerd ist Ironman !!! Herzlichen, herzlichen, herzlichen Glückwunsch ) :-) und wir völlig ausgehungert erstmal was gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg ins Hotel. Eigentlich wollten wir ja noch Feuerwerk sehen, aber ich war so platt und außerdem mussten wir Montag früh raus, also besser ab ins Bett.
Montag früh dann das:

Eine lange Schlange Bierbänke (damit keiner stehen muss :-) )

Eine lange Schlange Bierbänke (damit keiner stehen muss :-) )

Anstehen. Oder besser Ansitzen 😀
Wofür? Na für einen Startplatz für Roth 2016.
Japp, der Frank und ich fanden das Supporten so anstrengend, das wir beschlossen haben 2016 einfach wieder Starter zu sein.
Karina konnten wir leider NOCH nicht davon überzeugen, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Ich arbeite dran.
Für schlappe 450 € haben wir 226 km Vollverpflegung, Wetter jeder Art, schmerzende Beine, flauen Magen und endlose Trainingseinheiten gebucht. All inclusive! :roll:
Und selbst das Hotel haben wir gleich gebucht.
Manchmal denke ich wirklich irgendwas stimmt mit uns nicht!
Sind wir vielleicht wirklich bekloppt?

Heute dann, eine Woche nach Roth, musste erstmal wieder trainiert werden. Schließlich steht ja noch der Inferno (als Staffel) dieses Jahr auf dem Plan.
Das heißt das Karina und ich 3,1 km Schwimmen und anschließend 100 km Rennrad fahren (inklusive 2100 HM) und Andi und Frank im Anschluss noch eine Hammer MTB Strecke und einen Berglauf hinlegen wollen.
Andi und Frank haben deshalb gestern die Gegend mit dem MTB unsicher gemacht und anschließend auch noch die Laufschuhe angezogen.

Heute sind Karina und ich dann mit dem Rennrad losgetigert um HM zu sammeln. Und wenn man HM braucht, dann fährt man am besten von gaaaanz untern nach gaaanz oben. 😆
Also von der Mosel zum Erbeskopf. Und auf dem Weg dorthin nimmt man am besten noch alles an Berg mit, was da noch so rum steht.
Und wir hatten Spaß dabei.
Also doch bekloppt 😯

Auf dem Erbeskopf

Auf dem Erbeskopf